Subkultur at Work

Es gibt Angebote, die kann man nicht ablehnen. Nicht im Leben und nicht im Geschäft. Es gibt aber auch Angebote, von denen sollte man die Finger lassen. Besonders, wenn es sich um eine gefährliche Subkultur auf dem Arbeitsmarkt handelt. Was genau dahinter steckt, in diesem Artikel steht’s.

Alles Suppi oder was?
Es ist ja grundsätzlich bekannt, dass gute Aufträge in der Wirtschaft über mehrere Tische laufen müssen und unter anderem gleich verschiedene Leute daran mitverdienen. Kleines Beispiel: Die Erstellung einer Parkplatzfläche für ein neues Einkaufszentrum. Der Auftrag wird solange weiterverscheuert, bis letztlich eine kleine Brigade aus Polen den ganzen Platz für ein minimum an Kosten baut. Verdienen tun an der Sache alle, die zwischen Hauptauftraggeber und polnischer Straßenbaufirma sitzen. Rechtlich ziemlich schwammig aber normal.

Ein etwas ähnliches Angebot wurde mir selbst vor einigen Tagen offeriert. Eine, in meinen Augen sehr gefährliche, Subkultur auf dem Arbeitsmarkt.

Ein bundesweit agierendes Personentransportunternehmen sucht Jahr für Jahr Partner, die das Unternehmen für winterliche Reinigungsarbeiten einspannen kann. Das ist für das Unternehmen nicht schwer und lokale Partner werden deutschlandweit immer schnell gefunden. Doch manchmal scheint man den Glauben an ersthafte Wirtschaftskreisläufe zu verlieren, wenn man dahinterblickt, wie es (nicht überall) wirklich gemacht wird.
Da ich mich seit langem mit Personal, Karriere und Personalvermittlung beschäftige wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte “so richtig” im Winter Geld zu verdienen. Die Sache sei ganz einfach und erfordere nur einen Gewerbeschein als Kleinunternehmer. Die Kurzfassung ist, dass von einem Auftraggeber (nicht der Hauptauftraggeber und Objekteigner, sondern, die mindestens zweite dazwischengeschaltete Firma) der Auftrag käme, zu einem Preis X je Nase und Stunde arbeiten zu können. Man solle dann quasi als Kleinunternehmer mehrere 160 Euro-Kräfte einstellen, welche die Arbeit machen würden. Diese würden mit einem geringeren Preis Y je Stunde bezahlt und man würde schon an denen reichlich verdienen. Natürlich könne man auch selbst zum Preis X arbeiten, wenn man denn will. Überträge des Einkommens über 160 Euro würden auf einem Stundenkonto für die Mitarbeiter geschrieben (nach Vereinbarung), damit die auch noch hübsch weiter Geld vom Amt beziehen und keine Personalkosten in Form von Sozialabgaben anfallen. Diese Stunden des Stundenkontos würden entsprechend bis in das nächste Frühjahr dann ausgezahlt. Verschobene Auszahlung sozusagen. Auch wenn die geringfügig angestellten nur maximal 13 Stunden und 59 Minuten in der Woche für diesen Status arbeiten dürften, würden sie mehr arbeiten und das mehr des vereinbarten Stundenlohnes später bekommen.

Schon der Überblick verrät, dass an dem Auftrag vom Hauptauftraggeber ein Stundensatz von A bezahlt wird, der von mindestens – wenn nicht noch mehr Zwischenfirmen auf X heruntergerechnet wird. Alle verdienen daran und man selbst würde ja sogar auch noch was verdienen, wenn man Leute findet, die für den Preis Y arbeiten. Letzteres ist im Prinzip eigentlich kein Problem. Es gibt genug Pappnasen, die den Job für den Preis sogar machen um überhaupt was zu machen oder um ihn einfach zu machen um weiter Geld vom Amt zu bekommen und etwas nebenbei zu haben, doch rechtlich und steuerlich ist die Nummer mehr als schwammig.
Hochbrenzlich und mehr als unmoralisch, um genau zu sein.

Das Problem geht schon damit los, dass bei weitergegebenen Aufträgen die Haftungsfrage irgendwo im Kleingedruckten auch weitergegeben wird. Schließlich macht man selbst ja auch einen Vertrag mit der Firma, die da zwischengeschaltet ist. Das bedeutet im Klartext: Würde etwas beim Hauptauftraggeber passieren, wäre der Kleinunternehmer fällig, der als letztes in der Verantwortungskette dafür steht. So gut kann man sich gar nicht versichern, dass man ausreichend geschützt ist und wenn Menschen dabei zu Schaden kommen und Fahrlässigkeit oder Unfähigkeit ermittelt werden kann, geht die Sache möglicherweise sogar mit einer Haftstrafe zu Ende. Das dauert zwar etwas, doch wer will schon im Winter arbeiten und dafür unter Umständen im Falle eines Falles im Herbst auch dafür in den Bau gehen?

Steuerlich erreicht man durch so eine Nummer die Freibetragsgrenze und die maximale Umsatzgrenze für Kleinunternehmer ebenso recht schnell. Nach wenigen Wochen um genau zu sein. Man wird Umsatzsteuerpflichtig. Leider arbeiten die Ämter hier noch nicht schnell genug und die dicke Rechnung kommt erst später. Man hat ebenfalls auch nur einen Auftraggeber (jedenfalls für die erste Zeit und ist somit sogar genau genommen Scheinselbständig. Auch sind die 160-Euro-Kräfte nicht für nur 160-Euro zu haben. Auch hier gibt es weitere versteckte Kosten, die vielen (gerade überrumpelten Neu-Unternehmern)gar nicht real bewusst sind. Bei so einer Aktion ist die Schuldenfalle weit aufgeklappt und ggf. ein Bein schon im Knast. Also, mir wär’ das nichts und selbst als erfahrener Unternehmer und Kaufmann wäre mir so eine Nummer deutlich zu heiß.

Vorsicht also vor solchen “ganz Einfach als Unternehmer Geld verdien” Angeboten.
Es könnte extrem schief gehen, wenn man nicht über genug Erfahrung und verlässliche Steuerberater verfügt, die das Angebot vorher gründlichst durchchecken.

Moralisch ist diese, in meinen Augen viel zu oft angewendete Praxis, gerade im Bauhandwerk oder im Reinigungsgewerk, mehr als bedenklich und alles andere als optimal für den Arbeitsmarkt. Hier besteht eine wirtschaftlich gefährliche Subkultur, nahe an der Grenze der Schwarzarbeit. Von der rechtlichen Seite mal ganz abgesehen, zeigt diese Praxis, dass Lohndumping und Subunternehmer-Kultur viel zu stark verbreitet ist.
Vielleicht sollten sich hier mal die Politik und die Gewerkschaften gemeinschaftlich engagieren, um solch einer Arbeitsmarktpraxis Einhalt zu gebieten.

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