Wer langfristig denkt, plant sicher

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“Ihr sollt es mal besser haben als wir.” Ein Spruch den nicht nur jeder Jugendliche vor der Berufswahl mehrfach hört. Auch die Leser dieses Blogs kennen ihn sicherlich. Die Eltern wollen immer nur das Beste für die Kinder und trotzdem gibt es zwischen Berufswünschen und der angebotenen Realität oft einige Diskrepanzen, die es zu überwinden gilt.

Berufswahl – Mit Weitsichtigkeit zum Traumjob

Die Vernetzung der Behörden und Ämter in Deutschland scheint ganz gut zu funktionieren. Jedenfalls, wenn es um die Berufsvorbereitung geht. Fast überall erhalten, gleich nach Beginn des neuen Schuljahres, die zukünftigen Abgänger Termine beim Arbeitsamt (Entschuldigung: Bundesagentur für Arbeit / Jobbörse) zur Berufswahl. So stand heute auch bei mir ein Termin an, der mit dem nächsten Berufseinsteiger der Familie wahrgenommen werden sollte.

Es soll ja tatsächlich Kids geben, die davon ausgehen, irgendwie über Popstars & Co. mal zu Geld und Karriere zu kommen. Habe ich jedenfalls schon gehört. Davon ist mein Berufseinsteiger meilenweit entfernt. Die Perspektive ist, jedenfalls von elterlicher Seite, schon gegeben oder als Weg zu einer langen und vor allem mit vielen Berufsjahren (ggf. im Beamtenstatus) gespickten Karriere verhinweist worden. Aber den Jugendlichen beizubringen, dass für den Augenscheinlich leichten und super-einfachen Job langfristig keine Perspektive und erst recht keine Karriere besteht, ist auch nicht immer einfach.

Irgendwo in die Verwaltungsrichtung soll es gehen, vielleicht im Staatsdienst, vielleicht im Landesdienst – pädagogisch eventuell. Dies bedeutet aber, dass die Schule ersteinmal nicht aufhört und jeder, der einen pubertierenden Teenager zu Hause hat, kennt die Probleme, die damit entstehen könnten. Schule, ja, nein, vielleicht, ach ich weiß nicht so genau, vielleich was mit Sprachen oder doch was ganz anderes. Aber Schule ist doof, auch wenn ich gute Zensuren habe. (Erst 20 Jahre nach der Schule stellt man fest, dass es die Beste Zeit des Lebens war und man eigentlich viel zu wenig gelernt hat uns/oder sich hätte noch mehr anstrengen hätte können.)

Der Termin war jedenfalls ziemlich verschenkte Zeit, denn so richtig konnte die Frau hinter dem Schreibtisch auch nicht helfen und brachte auch nur die Sprüche, die der Sprössling schon kannte. Sie verwies auf das BIZ (Berufsinformationszentrum) und auf unzählige Jobprofile, die dort vorrätig seien. Kurzum, sie machte einen ziemlich überforderten Eindruck mit den bestellten Berufseinsteigern, die ja doch noch keine sind.

Eine grundsätzlich nützliche Entscheidungserleichterung bietet jedem Schüler ein Berufspraktikum, welches in den Schulen ab der Mittelstufe angeboten wird und zum Pflichtprogramm gehört. Aber, auch wenn die Kids dort in verschiedene Berufe “hineinschnuppern” können, bedeutet dass nicht, dass das auch langfristig ein Traumberuf wird. Ich kenne persönlich einige Einzelhändler, die vor Freude in die Hände klatschen, wenn ein Prakti kommt. Der will natürlich an den neuesten technischen Geräten spielen, den Reiz der Beratung erleben und wird definitiv in der Praktikumswoche nicht merken, wie perspektiv- und karrierelos so ein Job ggf. sein kann.

Als Elternteil ist man grundsätzlich immer bestrebt, in die Berufswahl der Kinder die höchstmögliche Planungssicherheit einzubauen. Das war schon bei mir, wie auch bei millionen anderen Schulabgängern seinerzeit so und wird sich auch nicht ändern. Dass sich der Job dann innerhalb von nur 15 Jahren in drei Unterjobs teilt, diese durch die Teilung den Lohn fast unter die Hartz-IV-Grenze drücken und man ohne Studium nicht mehr das wird, was vor 15 Jahren noch mit Leichtigkeit erreichbar war, hätten meine Eltern damals auch nicht ansatzweise geahnt.

Aber es gibt sie noch, die Planungssicherheit für den Traumjob. Man muss sie nur finden und gegebenenfalls die eigenen Interessen etwas verbiegen um dahin zu gelangen. Vielleicht erreicht man den Traumjob auch über einen kleinen Umweg und hat so aber noch ein zweites Standbein.

Ein Studium mit solider Basis (ich meine keine Trendberufsstudien, wie sie vielerorts angeboten werden)oder ein immer gefragter Handwerksberuf (Gas-Wasser-Schei… und Elektro) bieten derzeitig noch sehr gute Planungssicherheit. Berufe in Kommunikation und Medien, vertriebsspezielle Berufe, CallCenter und viel anderer Kram sind heute so kurzlebig wie Smartphones. Kaum da, schon wieder weg.
Das sind für mich kurzlebige Trends, die kurz aus dem Boden geschossen sind, da die technischen Möglichkeiten gerade gegeben sind. Das sich das langfristig halten wird, wage ich persönlich ernsthaft zu bezweifeln. Genau wie die Selbst-Aufback-Automaten in den Supermärkten. Die sind spätestens in zwei Jahren auch wieder verschwunden und die Bäcker, die meist in selbigen Supermärkten ebenfalls Filialraum gemietet haben, klatschen wieder in die mehligen Hände.

Die Welt ist allgemein ziemlich schnelllebig geworden und bei den Berufen hat man inzwischen oft das Problem zwischen Trends und Perspektiven kaum noch unterscheiden zu können.
Langfristige Orientierung bedeutet auch Planungssicherheit in der Zukunft. Mein Zauberwort hierbei lautet: Solidität, was ich auch den Kindern einbleue. Lernt das, was es schon seit 50 Jahren gibt. Das bleibt dann auch noch ein paar Jahre. Man möchte sich ja schließlich auch mal was anschaffen. Ein Haus auf Kredit oder ähnliches. Das geht nicht, wenn man sich für einen recht unterbezahlten Job in einer Trendbranche entscheidet. Persönlich kenne ich einige Leute, die bei der Jobsuche nach der Lehre und Arbeitslosigkeit in einem CallCenter angefangen haben welches eigentlich nur gebaut wurde, da die Betreiberfirma einen Auftrag von einer anderen erhalten hatte. Bei den heutigen Technikpreisen richtet sich so ein Center recht preiswert ein. Als das Center personell voll besetzt war, ging der Auftraggeber pleite und die Betreiberfirma entließ wieder mehr als 80% aller Mitarbeiter. Wieder arbeitslos. Und nun erklären Sie Ihrem Kind mal, was wäre wenn …. es einen Haus- oder Autokredit an der Backe hätte. Nur so als Beispiel.

DIE BERUFSWAHL IST DIE WICHTIGSTE ENTSCHEIDUNG DES LEBENS!
Sie steht im Lebenslauf im Abschnitt “Berufliche Ausbildung / Qualifikation” immer ganz oben und zeigt dem Personaler bei einer Bewerbung, was man mal gelernt hat und was man mal gemacht hat. Er interpretiert dies oft auch mit Traum- bzw. Wunschjob. Gerade bei Quereinsteigern später in anderen Branchen sollte hier wenigstens was vernünftiges Stehen. Ob Handwerk oder Studium sei ersteinmal dahin gestellt. Etwas solides macht hier immer noch einen guten Eindruck.

Allen Eltern und zukünftigen Schulabgängern möchte ich persönlich die aktuelle Ausgabe (NR. 38/2011) der Zeitschrift BRAVO nahelegen. Diese enthält ein Job-Special mit 32 Seiten, die durchaus wertvolle Tipps zur Berufswahl enthalten. darunter auch ein Job-Test, der in grober Richtung herausfindet, welchen Weg man überhaupt bestreiten will und welche Perspektiven sich daraus ergeben. Ebenfalls in diesem Special enthalten: Vorstellung interessanter Berufe und Tipps für das Praktikum. Auch zükünftigen Schulabgängern sei die hiermit, ohne dafür Werbung machen zu wollen, ans Herz gelegt.

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